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Globale
Dorfmusik Die
Welt wächst zusammen, jedenfalls in der Kunst. Oft als bewusster
Akt gegen politischen Rigorismus, religiösen Fanatismus und die Kapitalisierung
internationaler Beziehungen, verknüpfen Musiker in aller Welt Stile,
Rhythmen und Genres. Nicht selten begründen sie damit eine neue,
universelle Sprache, die sich rückwärts gewandtem Fundamentalismus
egal welcher Prägung widersetzt. |
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Von wegen 'Kampf der Kulturen': Cultural crossing formiert sich - jedenfalls in der Kunst - zur Bewegung. Nach Justin Adams und Juldeh Camara (aktuelles Album: "Tell no lies"), die dafür sogar den BBC World Music Award erhielten, nahm Real World Label-Chef Peter Gabriel jüngst ein zweites Multikulti-Duo unter Vertrag: Daby Touré und Skip McDonald, der eine gebürtig in Mauretanien, der andere in Ohio. Die Zusammenarbeit der beiden wird im Begleittext zu ihrem Album "Call my name" als "instinktiv" beschrieben, womit gemeint sein dürfte, dass die beiden nicht lange diskutieren, sondern ihre Musik während des Spielens entwickeln. So harmonierten die beiden offenbar vom ersten Treffen an. |
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Als die BBC ihren renommierten "World Music Award" 2008 in der Kategorie "Culture Crossing" an Justin Adams und Juldeh Camara vergab, zeigte sie sich besonders beeindruckt von dem Zusammenspiel zweier Kulturen, die gemeinsam "einen kraftvollen, kantigen Sound" entwickelten: "Blues Rock, gepaart mit Westafrikas ursprünglichem, traditionellem Saiten-Groove." Tatsächlich ist im Spiel des aus Gambia stammenden Juldeh Camara nur eine einzige Saite im Spiel: Er ist Meister der riti, einer einsaitigen Geige, die von den Fulani, dem größten Nomadenvolk der Region, verbreitet wurde. Justin Adamas ist Gitarrist (u.a. spielt er in der Band von Robert Plant), der seit Jahren mit westafrikanischen Musikern kooperiert. |
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Bis zum Beginn des Bürgerkriegs und der faktischen Teilung der Stadt galt nämlich Beirut als das "Paris des Ostens", nicht nur wegen der Schönheit der libanesischen Hauptstadt, sondern auch wegen ihrer Bedeutung als künstlerischem Zentrum der arabischen Welt. Dabei herrschte so viel kreative Freiheit, dass arabische Künstler begannen, ihre traditionelle Musik mit dem zu vermischen, was aus anderen Regionen der Welt zu ihnen drang - beispielsweise Tango. |
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Dabei kommt die Ungarin zu ganz erstaunlichen Formen der Zusammenführung. Wo vorsichtige Gemüter und reaktionäre Politiker einen "Clash of culture" befürchten, produziert Beáta Palya musikalische Blüten in leuchtenden Farben: "Adieu les complexes" ist eine raffinierte Mixtur aus Puszta-Folklore, Balkanpop, Jazz und indischer wie persischer Musiklehre. Beáta Palya hat beides studiert und dort eine Tradition gesanglicher Improvisation schätzen gelernt, die letztlich auch in der Improvisation im Jazz eine Entsprechung finden. |
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Dazwischen liegen Auftritte als Straßenmusiker, in Bars und Clubs verschiedener spanischer Städte. Die Reise von England in den Süden hatte die bunte Truppe durch den Verkauf einer selbst produzierten CD finanziert. Nun folgt also das offizielle Debüt "In X-ile" unter dem Bandnamen LaXuLa in der Stammbesetzung mit Monte Malafox, Mike Limmer (Bass), Andres García (Gitarre) und Demi García (Drums). Dazu gesellen sich zahlreiche Gastmusiker, die den LaXuLa-Sound in unterschiedliche Stilrichtungen auffächern: Bestimmend ist der treibende, temporeiche Ethnopunk-Rhythmus, den man auch von Manu Chao und Amparanoia kennt. |
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Dass man mit diesem Schweizer Nationalinstrument auch "La Paloma" - eigentlich eine Seefahrerhymne - intonieren kann, ist weit weniger bekannt und bislang auch eher die Ausnahme. "Alpcologne" sind nach eigenem Bekunden weltweit das einzige Alphorntrio mit Gesang, schon deshalb ist jeder Song ein Unikat. So klingt es fast wie musikalisches Kabarett, wenn die drei Alphornbläser (Mitch Hoehler, Ebasa Pallada, Norbert Schmeißer) den Gesang der aus Washington stammenden Sängerin Victoria Riccio leichtfüßig untermalen. Sie wiederum gibt dem Lied mit charmant betontem amerikanischen Slang einen urkomischen Unterton ("Seemannsbraut ist die See ..."). Lied, Instrumente, Gesang - nichts scheint zueinander zu passen und macht dennoch jede Menge Spaß. |
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Die Gruppe, die uns diese Musik gewissermaßen zumutet, heißt "Egschiglen", was auch nicht weiter hilft, denn das könnte in den Ohren eines Norddeutschen ebenso bayerische Mundart sein. Die CD heißt "Gereg", und bereits die ersten Töne - ein martialisches "Huhaha!!!", dem ein nicht minder machtvoller Wechselgesang männlicher und weiblicher Chorstimmen folgt, scheinen jedes Klischee des stolzen Reitervolks zu bestätigen. Dennoch: Es dauert kaum ein paar Minuten, bis man erkennt, das die Entfernung zwischen Bayerischem Wald und monglischer Steppe wohl doch geringer ist als angenommen. Das mag an dem Klang des Hackbretts liegen, mit dem Egschiglen ihren Sound untermalen, an dem Begriff "Jodeln", oder vielleicht einfach nur daran, dass Egschiglen 2007 mit dem "Creole Bayern" ausgezeichnet wurden, einem innovativen Preis für Weltmusik, der jeweils in den Bundesländern vergeben wird. |
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Die
Musik der 10-köpfigen Gruppe ist eine fulminante Mischung aus den
traditionellen Gesängen der Nomadenvölker der Sahara, die mit
typischen Instrumenten unterlegt wird - doch geprägt wird der Sound
von Toumast durch Moussas E-Gitarre, die, überwiegend leise gezupft,
an Santana erinnert und den Songs eine reizvolle, weil widersprüchliche
Atmosphäre aus Blues, Roots und Jazz verleiht. Dan Levy produzierte
das Album, aufgenommen wurde es in den Real World Studios in England.
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Die
Adressaten von "Geben und Nehmen" sind klar. Youssou N'Dour
ist einer der ganz wenigen afrikanischen Stars, der Aufnahme in die Glamourwelt
der Popmusik fand, und so richtet er seine Botschaft längst nicht
mehr nur an die Menschen in seiner Heimat, dem Senegal, sondern beharrlich
auch an diejenigen, die Verantwortung tragen für Armut, Unrecht und
Gewalt auf dem schwarzen' Kontinent: die Industriestaaten auf der
nördlichen Halbkugel der Erde. |
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Thamir ist Percussionist, Hawar spielt die "Djoze", die Kniegeige, deren schriller Ton oft verstörend wirkt, geheimnisvoll und aufrüttelnd, und gemeinsam mit den sparsamen, pointiert gesetzten Percussions steigern die Musiker die Spannung bis weilen ins Unermessliche, und sie zerren an den Nerven ihrer Zuhörer. Dennoch:
Einer der beiden Flüsse könnte auch der Rhein sein. Denn Thamir
und Hawar taten sich mit zwei weiteren Musikern zusammen: Free Desmyter,
einem Jazz-Pianisten aus Belgien, und dem Kölner Kontrabassisten
Dietmar Fuhr. Auch sie folgen dem reduzierten Klangkonzept des Albums,
das seine besondere Magie und Atmosphäre aus der Stille zwischen
den Tönen zu beziehen scheint. |
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So
wird gleich zu Beginn ein Atem beraubendes Tempo vorgelegt: Vor allem
Geigen, Akkordeon und Percussions treiben den Rhythmus von "Friskis
& Svettis" an, steigern die Geschwindigkeit, bis dem Zuhörer
schwindelig wird. Dass es auch deutlich langsamer geht, zeigen später
Titel wie "Korento", mit dem die Band eine überraschende
Nähe zum Jazz erkennen lässt. |
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Das macht bis heute die Schwierigkeiten bei der Identifizierung der jungen, in Zentralasien gelegenen Staaten aus, und erst langsam wachsen Interesse und Verständnis für die kulturellen Eigenarten von Ländern wie Georgien, Kirgistan oder Usbekistan. Aus dem letztgenannten Land stammt die zauberhafte Sängerin Sevara Nazarkhan. Sie spielt, einer alten Tradition usbekischer Sängerinnen folgend, die zweisaitige "Doutar", eine Verwandte der Laute, und sie singt mit der Hingabe einer orientalischen Prinzessin. "Sen"
("du") heißt ihr zweites Album, das bei Real World erscheint.
Label-Chef Peter Gabriel war von der Usbekin so angetan, dass er sie 2003
auf seine "Growing Up"-Welttournee mitnahm. |
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So
ist der Sound des sizilianischen Quintetts "Unnaddarè"
keine wirkliche Überraschung, sondern fast schon tipico siciliano:
beschwörender Chorgesang, rhythmische Percussions, orientalische
Harmonien und Instrumente aus allen Himmelsrichtungen: Gitarre, Schlagzeug,
Bass, Oud, Saz, Didgeridoo, Tablas, Geige, Sitar, Bodhran (eine persische
Trommel) - und selbstredend marranzanu, die Maultrommel, ohne die
in der süditalienischen Musik von Neapel bis Palermo gar nichts geht. |
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Mit
"Seasons of violet" setzt Rim Banna diesen Grundgedanken in
gewisser Hinsicht fort. Hinter dem zunächst etwas kitschig wirkenden
Albumtitel verbirgt sich nämlich höchst poetische Liebeslyrik,
überwiegend aus der Feder von Zuhaira Sabbagh, einer Palästinenserin
mit israelischem Pass. |
© Michael
Frost, 2007/2008 -
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