"Durch nichts zu übertreffen"
Thomas Knak über seine Zusammenarbeit mit Björk

Zwei Titel für ihr aktuelles Album "Vespertine" komponierte und produzierte er mit Björk zusammen: Thomas Knak, der junge dänische Electronica-Künstler, Eingeweihten unter dem Namen "Opiate" ein Begriff, außerdem ein Drittel des Trios "Future 3". Knaks Album "Objects for an ideal home" hatte das Interesse von Björk erregt. Bereits während der Dreharbeiten für das Musical "Dancer in the dark" nahm sie mit ihm Kontakt auf.
Gemeinsam entwickelten Björk und Thoma Knak im Abstand von einem Jahr "Undo" und "Cocoon", zwei der schönsten Titel auf "Vespertine".

Dem dänischen Musikmagazin "GAFFA" erzählte Knak von seiner Begegnung mit Björk.


Thomas Knak / Foto: shop33.com
"Der einzige friedliche Ort in der 'Kriegszone'
der Dreharbeiten zu 'Dancer in the dark'":
Björk über ihr Zusammentreffen mit
Thomas Knak in Dänemark

OPIATE: While you were sleeping (CD-Tipp)

Björks erster Anruf

"Der erste Anruf war natürlich ein Schock. Ich erfuhr, dass sie bei April Records angerufen hatte (auf diesem Label erschien Knaks Album "Objects for an ideal home") und zu einem bestimmten Zeitpunkt kommen wollte, um mit mir zu reden. Das war witzig, sie hatte mein Album gekauft und wollte mich treffen ! Das war so, als bekäme man eine Audienz, nur hatte sie selbst dazu eingeladen.
"
Opiate: Objects for an ideal home
Objekt Björks Interesse:
Thomas Knaks ("Opiate") Album
"Objects for an ideal home"

Björk als Musikerin

"Als Musikerin ist sie wirklich fantastisch, weil sie nicht nur eine Sängerin ist, die gesagt bekommt, dass sie es jetzt mit dem oder dem Produzenten versuchen sollte. Sie ist selbst diejenige, die andere sucht und zu Hause in ihrem kleinen Heimstudio Dinge selbst produziert. Es gibt viele Dinge, die auf der Platte sind, die am Anfang von ihr selbst produziert wurden. Ich glaube nicht ganz, dass ihr Pop-"Gegenstück" Madonna solche Sachen auch selbst macht. Vielmehr alliiert sie sich mit solchen, die das können, und dann wird es so oder so, und so bleibt es dann.

Björk hat sich sehr in die Produktion eingemischt, was mir gut gefällt, ich mag es nicht reingeholt zu werden, die Ware abzuliefern und dann wieder zu gehen. Ich sah das mehr als Zusammenarbeit, und ich denke, dass sie darin sehr gut ist, weil sie zehn Jahre Erfahrung aus der Musikschule mitbringt; sie hat gelernt, Chor- und Streichersätze zu schreiben, aber sie akzeptiert auch, dass es einige Dinge gibt, die andere besser können als sie. Und sie hört auch sofort, wenn die Dinge nicht genau so stimmen, wie sie es haben wollte, und das ist wirklich ein Vorteil. Im Gegenteil, sie ist eine Person, die eine Produktion immer wieder hören und sagen kann, dies oder das kann man besser machen."

Björk als Mensch

"Sie ist einer der fantastischsten Menschen, denen ich begegnet bin, weil sie nur Björk ist, selbst wenn sie abseits der Überwachung durch die Medien ist. Es ist keine Show, wenn sie als kleines Mädchen in den Videos herumläuft usw. So ist sie auch als Mensch, wenn sie auf die Straße geht oder sitzt und erzählt.
Sie ist unterteilt in eine introvertierte und eine extrovertierte Persönlichkeit, mit der man eine wirklich lange Zeit zusammen sitzen
und über viele Dinge sprechen kann,d ie einen betreffen, und dann gibt es Zeiten, wo sie vollständig Amok läuft und wo man ihrem Tempo überhaupt nicht mehr folgen kann. Gleichzeitig hat sie das Bedürfnis hat, ganz für sich allein zu sein oder in einer intimen Atmosphäre, in der sie bis ins Mark geht und alles von der Person in sich aufnimmt, mit der sie spricht, so kann sie auch abwesend und aus sich herausgehen,, in Feierstimmung sein und sich drei Tage am Stück herumtreiben und man gar nicht weiß, woran man bei ihr ist. Also als Mensch ist sie etwas Besonderes, und genauso wie der unmittelbare Eindruck, den man von ihr hat."

Vespertine

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Vespertine

Porträt

Die bisher intimste Zusammenarbeit

"Es war die engste Zusammenarbeit, die ich bisher erlebt habe. Wir saßen ja fast eine Woche im Hotelzimmer zusammen, und da kommt man ja einem Menschen schon recht nah. Etwas anderes ist, dass sie alles von dir in sich aufnimmt. Sie nimmt wirklich all das Wissen, dass man über Musik hat, und sie probiert, so gut sie kann, das auch zurückzugeben. Ich weiß nicht richtig, wie das kommt, dass ich das empfinde, aber es ist das intimste, was ich bisher musikalisch erlebt habe, sie ist genau das, was sie singt.
Sie ist in einigen Punkten vielleicht ein bisschen naiv und liefert sich mehr aus, als man tun sollte, und wenn man das tut, muss man akzeptieren, dass andere sich daran gewöhnen, dass sie sich so ausliefert.
Sie ist ja zurückhaltend, aber dann, wenn sie sich plötzlich dem öffnet, was man gemacht hat, dann wird es sehr intim. Mit Leuten zu arbeiten, die dieses Superstar-Image haben, ist ein besonderes Erlebnis, man ist völlig fertig nach so einer Woche, sie saugt einen förmlich aus. Sie fordert viel, sie fordert das beste, das man geben kann. Deswegen kann ich verstehen, wenn viele sagen, dass die Arbeit mit ihr durch nichts zu übertreffen ist."



Thomas Knak / Foto: rosa.org

Thomas Knak Website

Wert der Zusammenarbeit

"Das hier bedeutet natürlich verschiedenes in ökonomischer Hinsicht. Teils bezahlten sie mir ein Honorar für die Treffen und die Produktion, weil das eine große Gesellschaft ist, teils habe ich die Komponistenrechte für die beiden Titel. Und das ist schon etwas, worüber ich manchmal spaßeshalber mal mit anderen nachgedacht und überlegt habe "Was bringt das eigentlich ?", das habe ich aber blitzschnell aufgegeben. Das kann ein richtig gutes Einkommen sein, aber es kann sich auch herausstellen, dass sich die Platte nicht besonders gut verkauft (Nur keine Sorge, die Platte ist bereits in den Top 10 ! d. Übersetzer).
Also kann ich das nicht genau sagen, was das in dieser Hinsicht bedeutet, aber das bedeutet auch viele andere Dinge, zum Beispiel steht da mein Name unter den beiden Titeln. Da kam schon ein deutscher Verlag, der gefragt hat, ob ich eine neue Sängerin produzieren will, aber die Vorstellung mit einer anderen Sängerin zu arbeiten, bringt mich nicht richtig voran, weil Björk immer die Sängerin war, die mich am meisten faszinierte. Ich habe nie zu träumen gewagt, dass daraus etwas werden würde, aber wenn ich wieder träumen sollte, dann würde ich mir nicht erlauben, von mehr zu träumen."

 

Die Veröffentlichung des Interviews bei CD-Kritik.de erfolgt mit freundlicher
Erlaubnis der Redaktion von GAFFA. Mange tak for tilladelsen !
Gaffa.dk


(Deutsche Übersetzung: Michael Frost,mit Unterstützung von Ingelise Vollerthun.
Mange tak for hjælpen !)

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