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Musik wie Blaubeerpfannkuchen
Gast-Kritik von Nils Neumann

 

Jedes Kind weiß, dass Pfannkuchen eine sehr gute Erfindung sind. Noch ein bisschen besser schmecken sie mit Blaubeeren. Meine Oma konnte hervorragende Blaubeerpfannkuchen backen. Dabei hat mich als Kind nie interessiert, ob meine Oma das Rezept selbst ausgedacht hat – vermutlich hatte sie es nicht, sondern sie hat sich vom Rezept einer anderen Oma inspirieren lassen. Was für mich einzig und allein zählte, was dass die Pfannkuchen mir geschmeckt haben. Und das haben sie in der Tat.

Das nagelneue Debutalbum der tschechischen Folk-Punk-Band „Pipes and Pints“ steckt voller Musik wie Blaubeerpfannkuchen. Die Idee, Punkrock mit einem Dudelsack zu bereichern, ist genauso genial wie die Idee, zu den Pfannkuchen Blaubeeren hinzuzufügen. Das Rezept haben andere entwickelt, aber Pipes and Pints können es ausgezeichnet umsetzen. Was dabei herauskommt, ist ein Genuss für den Gehörgang.

Schon das Demo, das Pipes und Pints im Jahr 2008 veröffentlicht und kostenlos auf ihrer Homepage zum Herunterladen angeboten hatten, gab eine deutliche Ankündigung ab: „Freunde der gepflegten Bratgitarren-Musik, seht euch vor – hier ist ein neuer Sternekoch am Himmel der Punk-Hausmannskost im Aufgehen begriffen.“

Die Erwartungen wurden durch das neue Album „Until We Die“ ganz und gar nicht enttäuscht. Wie schon auf dem Demo sind auch hier wieder die bewährten Kracher „City by the Sea“, „Kensington Club“ und „Heaven and Hell“ mit am Start. Dazu kommen Stücke wie „Bad Times“, die das bewährte Pfannkuchen-Rezept in gewohnt brachialer Weise auf den Teller bringen. Allerdings erlauben sich die Jungs dabei auch keinerlei Abweichungen von der gehabten Rezeptur.

Manch einer hätte sich vielleicht erträumt, dass Pipes and Pints ihre Pfannkuchen auf dem neuen Longplayer auch einmal mit Puderzucker bestreuen oder mit einem Schuss schottischen Whisky verfeinern könnten. Doch wer die Band schon einmal auf der Bühne erlebt hat, weiß genau, dass sie Puderzucker zu zahm finden und den ganzen Whisky selber ausgetrunken haben, bevor sie dem Publikum mit der Pfanne eins überbraten.

"Pipes and Pints: Until we die"
ist ein Gastbeitrag von Nils Neumann.
© Nils Neumann, Januar 2010


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